2009-05-23

Gestaltung für Smartphones und den Desktop (2)

Im ersten Teil dieser kleinen, losen Folge von Einträgen habe ich darauf hingewiesen, dass unterschiedliche Geräteklassen Bedienelemente in der Regel unterschiedlich implementieren. Diese Aussage mag auf den ersten Blick banal klingen. “Natürlich muss eine Datumsauswahl auf dem Handy anders aussehen und anders funktionieren, als auf dem PC” werden Sie jetzt sehr wahrscheinlich denken. Aber ist dem wirklich so? Wer – wie ich – lange mit Windows Mobile gearbeitet hat, weiß, wie stark dieses System in seinen Metaphern und Mechanismen vom großen Bruder geprägt ist. Jeder neue Termin gerät da zu einem filigranen Stift-Getippe und Geschiebe. Nicht umsonst gibt es so viele Aufsätze, die den kleinen “Fenster”-Geräten etwas mehr Touch-Feeling beibringen.
Also: Hinter jedem Bedienelement (Schaltfläche, Tabelle, Datumsauswahl, …) steht eine abstrakte Idee oder Funktion. Bei Schaltflächen ist diese Funktion allgemeiner (ich möchte irgend eine Aktion auslösen) als bei einer Datumsauswahl. Beiden ist aber gemein, dass sie in unterschiedlichen Situationen wiederverwendet werden können. Mit Hilfe einer Datumsauswahl kann man beispielsweise den Geburtstag eines Kontakts festlegen, aber auch den Beginn des Urlaubs. Dasselbe gilt für die Schaltfläche. Sie kann Speichervorgänge auslösen oder den Abspielvorgang eines Musikstücks starten.
Die bisher beschriebene abstrakte Idee ist geräteunabhängig. Was ich gesagt habe, trifft auf mobile Geräte ebenso zu wie auf den heimischen Rechner. Anders die konkrete Implementierung: sie ist geräte- und systemabhängig. Jedes Bedienelement einer Plattform realisiert einen bestimmten Look und legt ein bestimmtes Feel an den Tag. Anders, weniger holprig formuliert: jede Oberflächenkomponente hat eine genau festgelegte visuelle Repräsentation und legt ein wohldefiniertes Verhalten an den Tag.
So, als Java-Programmierer werden Sie jetzt siegesgewiss sagen “klar, er meint Swing und sein pluggable Look and Feel”. Nein, liebe Leserin, nein, lieber Leser, nix isses mit dem Hauptgewinn. Auch das Konzept des Look und Feels findet auf mehreren Ebenen statt. Die eine, wenn Sie so wollen sehr konkrete Ebene ist tatsächlich diejenige, die auf der Ebene der Farben und Effekte (das visuelle Reindrücken der Schaltfläche) operiert. Die zweite Ebene beantwortet die Frage, wie die weiter oben angesprochenen abstrakten Ideen bzw. Funktionen umgesetzt werden. Ob also eine Datumsauswahl als Monatskalender oder Walze mit drei Scheiben implementiert wird. Erst wenn dieser Punkt geklärt ist, kann definiert werden, wie das “Ding” dann tatsächlich gerendert wird.
Wie stark die Plattform Einfluss auf die Ausgestaltung von Bedienelementen nimmt, zeigen die Kommentare zum ersten Teil, für die ich mich übrigens herzlich bedanke. Es ist selbstverständlich richtig, dass das Rollen von stilisierten Walzen mit der Maus am PC keinen Spaß macht. Insofern würde eine genaue Übertragung der iPhone-Implementierung höchstens “for fun” sinnvoll sein. Was wir noch sehen werden, ist, ob es aber vielleicht Adaptionen oder Variationen gibt, die der Plattform “PC” mehr gerecht werden. Eine letzte Anmerkung, ebenfalls zu einem Kommentar: der klassische “Datepicker” hat tatsächlich kein Texteingabefeld sondern verlässt sich auf Mausaktionen. Das auf dem Screenshot zu sehende Feld gehört nicht zur Komponente.
Im nächsten Teil werden wir uns etwas ausführlicher dem Thema Datumsauswahl widmen. Wir werden uns einige Konzepte gängiger Implementierungen ansehen. Ich hoffe, Sie bleiben dran…

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